Kleines Paradies
nenne ich immer unser Häuschen und die Umgebung hier.
Deshalb war ich sehr neugierig, als ich voriges Jahr in einem Blog "Mylopa - Paradies hinter dem Horizont " entdeckte. Es hörte sich sehr interessant an und ich hab es mir gekauft ......... und verschlungen!
Eine Erzählung von einem jungen Ehepaar, das abgeschieden, dörflich ein Traumhaus findet. Die Frau, Christine, fühlt sich sofort zu Hause dort, es ist wie heimkommen.
"Traumhaus" bedeutete in diesem Fall aber nicht: ein wunderbares Haus mit tollem Grundstück. Eigentlich waren das Haus, die Nebengebäude und auch das Draußen nicht schön - gar nicht schön. Aber Christine sah überall, wie es aussehen KÖNNTE - mit viel Arbeit natürlich. Aber gerade das macht Freude, selber planen und alles so einrichten, wie wir es uns wünschen.
Und es klappt auch alles (in normalen Bahnen, wie das nun mal ist, beim Renovieren, Abreißen und Neumachen), Hühner ziehen in ihr Häuschen ein, Gänse, ein "Pflaumenscheißerchen", es gibt Schafe, Hunde, die Umgebung ist wunderschön.......... es könnte wirklich ein Paradies sein.
Wenn...... ja wenn nicht in diesem Paradies auch die Menschen wären.
Und wie wir nun mal sind, wir verbreiten unsere Probleme, unseren Neid + Mißgunst, wo wir gehen und stehen.
Aus dem Paradies wird ein Albtraum........... und irgendwann, voller Schmerz + Trauer muß Christine ihr Paradies verlassen.Das Buch ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Es fesselt, ich hab alles genau vor mir gesehen, mich gefreut und mitgelitten, ich war wütend - genau wie Christine und konnte nicht begreifen, was dort vorgeht. Die Sprache ist klar, voller Leben und macht das Buch deshalb so lebendig.
Inzwischen habe ich es nochmal ganz gelesen und auch wieder auszugsweise, weil ich dann immer wieder Neues entdecke oder manches erst richtig verstehe. Und keine Minute war langweilig.
Und wunderschön dazu dann auch bei obigem Link, daß wir die Bilder sehen können, Mylopa vorher und mittendrin und auch heute. Dadurch wird alles noch interessanter und anschaulicher.Ein Buch voller Freude, Hoffnung, Enttäuschung, Schmerz........ aber es gibt ein Weiter, etwas Neues - zwar nie wieder Mylopa - auf eine andere Weise ein neues Paradies.
Und später, irgendwann, und immer noch nicht fertig mit Mylopa schreibt "Christine":
"Was nur treibt mich immer wieder hier her? Immer wenn es Frühling wird. Jedes Jahr im April. Langsam mit dem Wagen vorbei schleichend, so viel wie möglich mit den Augen verschlingend. Jahr für Jahr? Wie eine Sucht, die nicht in den Griff zu bekommen ist. Immer noch nicht. Nach fünf Jahren immer noch nicht.
Sehn-Sucht eben. Nach einem Stück meines Lebens, das unwiederbringlich verloren ist. Und dabei hat alles so wundervoll angefangen - damals. Einfach wundervoll! Auch wenn die Bilder in mir nicht ohne trübe Flecken sind ..."Danke schön, Ulrike, für dieses wunderbare Buch voller Leben.
Dagmar Dederichs in "Erdweibchens Blog" (Februar 2005)
... auch ein Zeitdokument
Mylopa ist ein kleines Stück Paradies, das sich Christine und Robin schaffen. Aus einem einsam und idyllisch gelegenen, heruntergewirtschafteten Bauernhaus, das alle Spuren zerstörerischer Renovierungskunst trägt, und einem verkommenen Garten wird ein romantisches Gehöft inmitten von Obstbäumen, Gemüsebeeten, Blütenmeeren, Hühnern, Schafen, Hunden und Katzen. Alte und neue Freunde helfen Christine und Robin beim Projekt "Mylopa", selbst der ehemalige Kuhstall wird zu einer gemütlichen Wohnung ausgebaut und vermietet. Um das Glück vollkommen zu machen, adoptieren die beiden ein Kind. Als Robin sich in die Mitbewohnerin und Freundin Christines verliebt, bedeutet das die Vertreibung aus ihrem Paradies. Das Paar trennt sich, Haus und Garten müssen verkauft werden, spätere Besitzer werden erneut Mauern versetzen und Wege durch das Gelände verlegen.Ulrike Linnenbrinks Roman erzählt von einem magischen Ort, der vom ersten Moment an Zugehörigkeit, Geborgenheit, Glück verheißt, und er erzählt die Geschichte einer Frau, die nicht nur träumt, sondern vor allen Dingen handelt. Als sie scheitert, als sie ihren Mann und ihr geliebtes Zuhause verliert, zerbricht sie nicht, sondern durchlebt und verarbeitet ihre Verzweiflung, sucht und findet letztlich neue Möglichkeiten, neuen Handlungsspielraum.
Der Roman ist jedoch auch ein Zeitdokument der 80/90iger Jahre: die Friedensbewegung, selbstgestrickte Pullover mit phantasievollen Mustern, der Sperrmüll als Fundstätte für alles, was das Herz begehrt, der obligate 2CV, die Ente - mit zahllosen Stickern beklebt, die auch aus der politisch grünen Gesinnung keinen Hehl machen, Aussteigertum und ökologischer Landbau, psychologische Debatten und Esoterik sind Facetten einer breiten Strömung jener Zeit.
Andrea Heinisch Glück, Wien
Spannend von Anfang an
Der Roman ist so spannend geschrieben, daß man das Gefühl hat, die ganze Zeit neben der Erzählerin zu stehen und alle Geschehnisse selbst mitzuerleben! Ehrlich und selbstkritisch schildert die Verfasserin die Erfüllung und das darauffolgende Zerplatzen eines Traumes, erinnert daran, daß gerade das Unvorhersehbare wichtig ist, um lernen und sich weiterentwickeln zu können. Ein sehr guter Roman, den ich sicherlich nicht nur einmal lesen werde.
Ute Koberstein, Essen
Geschriebene Bilder eines Schicksals
Dies ist eines der wenigen Bücher, die ich in gelesen habe, ohne es aus der Hand zu legen. Hier wird ein/das Schicksal in Bilder gefasst. Nur sind diese Bilder nicht gemalt, wobei die wunderschönen Landschafts- und Personenbeschreibungen diese fast real werden lassen, sondern geschrieben. Die Bilder fesseln den Leser und lassen ihn miterleben wie MYLOPA entsteht und wieder vergeht. Dieses Buch macht Mut, Mut weiter zu machen......mit dem Leben.
Andrea Sundermann, Neuenkirchen
Gratwanderung
Romane, die autobiographische Züge tragen, sind immer mit dem Problem behaftet, dass der Autor keine wirkliche Distanz zu dem haben kann, was er erzählt. Das artet dann leicht in Weinerlichkeit aus. Ulrike Linnenbrink vermeidet diese Gefahr durch die Genauigkeit der Schilderung.
Älter geworden kehrt die Erzählerin an einen Ort zurück, der für sie mit der Erfüllung und dem Zusammenbruchs eines Traums untrennbar verbunden ist. Und noch einmal geht sie an diesem Ort den Weg, der sie dorthin und von dort weg geführt hat. Das Ergebnis ist eine Mischung aus heiteren und bitteren Erinnerungen an Ereignisse, die die Erzählerin und alle handelnden Personen letztendlich zu dem gemacht haben, was sie sind - doch das Haus, der Inbegriff dieses Traumes, scheint all dies von sich abgeschüttelt zu haben.
In diesem Sinne eine gelungene Betrachtung über Lebenslinien, die ich gerne gelesen habe.
Iris Kammerer, Marburg
Ich habe selten einen so packenden Roman gelesen
Wer einmal beginnt dieses Buch zu lesen, der wird es mit Sicherheit nicht mehr aus den Händen legen.Die Autorin beherrscht die Kunst, dem Leser etwas Positives mit auf den Lebensweg zu geben. Ich habe das Buch bereits zwei mal "verschlungen" und entdecke immer wieder neue Aspekte beim lesen. Es fällt mir schwer meine Begeisterung in Worte zu fassen. Dieses Buch MUSS man einfach gelesen haben. Ebenso auch die anderen Bücher von Frau Linnenbrink. Ich hoffe, daß noch sehr viele von ihr erscheinen werden.
Nicole Vent, ?
Spannend, dramatisch, lebensnah!
Gibt es sie tatsächlich - gewisse Landstriche, auf welchen ein "Fluch" lastet? Wer kann dies mit Sicherheit abstreiten? Der Gedanke erinnert an jene mysteriöse Autounfälle, welche stets bei der gleichen Marke schnurgerader Straßenabschnitte geschehen. Dieserart wird auch Ulrike Linnenbrinks Protagonistin Christine in einen schrecklichen Strudel unerklärlicher Ereignisse gezogen, als sie ihren Traum gefunden zu haben glaubt: Ein abgewirtschaftetes Bauernhaus, welches sie mit Feuereifer in ihr persönliches MYLOPA (MY LOnely PAradise) verwandelt. Nahezu besessen von dieser Aufgabe ignoriert sie alle Vorzeichen der drohenden Katastrophe: Die rätselhaften Selbstmorde in der Nachbarschaft, die Totgeburten und das spurloses Verschwinden ihrer Haustiere, und sogar die sich ständig vergrößernde Kluft zwischen ihr und ihrem Lebensgefährten. Doch zur Umkehr ist es längst zu spät ...
Marion Sibille Sczesny, Troisdorf
Vielen Dank für die schönen Lesestunden!
Mir hat das Buch ganz ausgezeichnet gefallen. Es beschreibt diese Beziehungsgeschichte außerordentlich feinfühlig und nachvollziehbar. Man lebt wirklich mit den Figuren. Auch die Art, es so ausführlich und mit so vielen Details zu beschreiben, hat mir sehr gefallen. Sicherlich liegt es daran, dass es ja wohl auch autobiographisch ist. Dennoch kommt es nicht so herüber, auch wenn man es vielleicht vermuten mag.
Ich finde, die Geschichte ist in sich rund und abgeschlossen. Alles beginnt und endet mit Mylopa. Man selbst hat als Leser ebenfalls eine enge Beziehung zu dem Hof, auch wenn man ihn natuerlich nie gesehen hat. Und dass Christine es schließlich schafft, sich aus diesem zum Alptraum gewordenen Traum zu befreien und doch noch ein eigenständiges Leben zu führen, lässt den Leser mit vielen positiven Gefühlen zurück, selbst wenn er vorher mit Christine und Robin mitgelitten hat.
Karen Lark, Kiel
Ein lesenswertes Buch
Gerade lese ich das Buch Mylopa von Ulrike Linnenbrink, das in Auszügen auf ihrer Homepage angelesen werden kann. Es beschreibt eine Erfahrung, die viele aus meiner Generation gemacht haben: der große Umzug aufs Land, den Versuch, eine nostalgische Idylle mit Tieren und Pflanzen aufzubauen, mit Hühnern, Katzen, Hunden, Schweinen, Schafen und sogar einem ESEL. Das Arbeiten bis zum Umfallen, um auch ja jedes stillose Bauelement modernisierungssüchtiger Altbauern durch das originale, traditionelle, echt-hölzerne Teil zu ersetzen; das Pflanzen der Bäume, die Freude am Wachsen und Werden im Garten, der selbstgepflückte Kräutertee am Morgen; Und natürlich die Tränen beim unvermeidlichen Schlachten eigener Tiere, die konsequenterweise fortan keine NAMEN mehr bekommen.
Hauptpersonen sind - wie könnte es anders sein - beamtete Lehrer, die all dies ohne die geringste echte Gefährdung ihrer "bürgerlichen Exisitenz" mit Hilfe von Staat, Banken und Eltern ins Werk setzen können: Eine Suche nach Licht ohne Schatten, wobei die Schattenwelt der Spätmoderne, die Hochzivilisation mit ihren bösen Apparaten und Verfahren, mit ihrer Industrie und Gigantomanie doch die Basis ist und bleibt, auf der diese Suche nur stattfinden kann.
Natürlich handelt das Buch vom Scheitern - doch ich bin ja erst in der Mitte, die Idylle ist noch im Aufbau begriffen. Die Akteure sind ungebrochen in ihren Gut-Mensch-Meinungen, den einfachen Polaritäten: hier die böse Chemie, dort der gute Kompost.... Ehemals waren sie politisch aktiv, grün, alternativ - doch wenn das Glück im eigenen Garten so nah liegt, warum dann noch kämpfen?
Ein lesenswertes Buch für alle, die, im Sog der bewegten 70ger-Jahre, irgendwann einmal versucht haben, sich abzuwenden und alles anders zu machen. Und die allermeist zurückgekommen sind, zurück in die Stadt, aus der die Kälte kommt - aber auch der Scheck.